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  • Autorenbildvon Andreas Vones

Fachkräftemangel hat viele Ursachen

Aktualisiert: 3. Sept. 2023

Alle reden von Zuwanderung - kaum jemand über die Abwanderungen. Auch das nicht mehr zeitgemäße Schul- und Bildungssystem bleibt trotz des Desasters unangetastet. Dabei ist Bildung der Maßstab aller Dinge.

Allein im Jahr 2022 wanderten laut „Statistischem Bundesamt“ 262.000 bestens ausgebildete deutsche Fachkräfte ins Ausland ab. Aufgrund der Sprache überwiegend in die Schweiz und nach Österreich, darunter viele IT-Fachleute und Experten:innen aus dem Ingenieurwesen. Skandinavien steht insbesondere bei medizinischem Personal, Ärzten und im Agrarbereich hoch im Kurs. Gemessen seit 2014 leben und arbeiten vier Millionen Deutsche im europäischen Ausland, darunter übrigens auch Baufacharbeiter:innen und Lehrkräfte. Alle verschwanden aus den gleichen Gründen auf der Suche nach leistungsgerechterer Bezahlung, sinnvolleren Unternehmenskulturen, weniger Überstunden und Fokussierung auf das berufliche Kerngebiet. Hinzu kommt die Wohnungsnot in Deutschland mit den einhergehenden horrenden Mieten. Die Politik forciert nun die Zuwanderung von mindestens 450.000 arbeitsfähigen Menschen aus allen Nationen, am besten natürlich sofort einsetzbare Fachkräfte. Was für eine Utopie.

Allein die Sprachbarrieren sind innerhalb von 1 bis 2 Jahren kaum überwindbar und in den wenigsten mittelständischen Unternehmen wird neben Deutsch auch perfekt Englisch gesprochen. Auf die hausgemachten Probleme wies bereits vor zehn Jahren eine Dokumentation von Ulrike Bremer mit dem Titel „Das Märchen vom Fachkräftemangel“ hin. Im Kern ist die ARD-Reportage weiterhin aktuell. Nun hat sich die Situation weiter zugespitzt. Anstatt Strukturen, Bildungssysteme und Gehaltsstufen anzupassen und für bezahlbaren Wohnraum zu sorgen sowie in Forschung und Technologie-Entwicklung zu investieren, wurde für Arbeitnehmende nichts Nennenswertes getan. Staatsführung und Wirtschaft forcieren verträumt weiterhin vermeintliches Wachstum nach altem Paradigma, was jedoch längst nicht mehr greift. Zudem stellt sich die Frage nach Unterkünften für 450.000 zugereiste Menschen. Schon jetzt fehlen laut offizieller Berechnung 700.000 Wohnungen. In Köln, München, Berlin und Hamburg werden zusammen rund 190.000 Airbnb-Wohnräume angeboten, die der arbeitenden Bevölkerung nicht mehr zur Verfügung stehen. Hier könnten die Kommunen und Landesregierungen eingreifen, wenn sie wollten.


Marode Schulen und ein zunehmend schlechterer Bildungsstand aller Schulabgänger sind das politische Resultat vergangener Jahrzehnte. Doch anstatt die "Basis zu reparieren", sprich für gefällige und zumindest funktionsfähige Bildungsstätten zu sorgen, weitere zu bauen, Lehrer:innen auch nach einem "Seitenanstieg" angemessen zu bezahlen, befristetet angestellte Lehrkräfte nicht mehr pünktlich vor Ferienbeginn zu kündigen und das gesamte prähistorische Schulsystem zu modernisieren, was zusätzliche Maßnahmen für Kinder ohne ausreichende deutsche Sprachkenntnisse erfordert, wirbt die aktuelle "Ampel" mit immensen Investitionen lieber Fachkräfte im Ausland an. Hinsichtlich der oftmals unzumutbaren Schulgebäude schieben sich Bund und Länder seit Jahrzehnten den "schwarzen Peter" zu. Dabei sind gerade Bildung und Studium das wichtigste Instrument um Fachkräfte auszubilden. Ob Industrie oder Handwerk, Büro, Logistik oder Einzelhandel: Ausbildungsbetriebe müssen einer Umfrage aus 2019 zufolge rund die Hälfte aller Bewerber:innen abweisen, weil sie schlichtweg nicht ausreichend auf ein Berufsleben vorbereitet sind. Bedeutet: Einige können nicht richtig rechnen oder schreiben, geschweige denn sich verständlich ausdrücken und verfügen über wenig Allgemeinbildung. Das betrifft nicht nur Hauptschüler:innen, wobei Mädchen mit eindeutig besseren Schulnoten als Jungs abgehen und bei allen Bewerbungen besser abschneiden.


Abiturienten:innen indes absolvieren lieber ein Studium als eine klassische Ausbildung. Die steigende Zahl Studierender beruht jedoch nicht ausschließlich auf deutsche Studenten:innen. Im Wintersemester 2022 / 2023 waren laut "Statista" beachtliche 458.210 ausländische Hochschulabsolventen:innen immatrikuliert. Knapp 300.000 von ihnen stammen aus China. Indien und der Türkei. Das Erststudium ist in allen Bundesländern laut "studilux.de" gebührenfrei. Das ist auch gut so, aber nur dann, wenn die top ausgebildeten jungen Leute selbstverständlich in Deutschland bleiben und ihr Wissen hier einbringen. Das ist jedoch bei noch nicht einmal 9% der Fall. Das gesamte "System" von der Grundschule bis zum Universitätsabschluss ist nicht mehr zeitgemäß. Aber seltsamerweise ändert es sich nicht. Lediglich Hochschulen und Universitäten verfügen über einen guten Ruf in der Welt - ABER dies auch aus finanziellen Gründen. Ach ja, abgesehen von Baden-Württemberg. Der Verfassungsgerichtshof bestätigte jüngst die dort anfallende Gebühr in Höhe von 1.500 Euro für ausländische Studierende. Es soll ja Nationen geben, die den Universitätsbesuch ausländischer Studenten:innen mit befristeten Verbleib im Land verbinden oder weitaus höhere Gebühren berechnen. Das klingt nicht verkehrt, oder?


Zum Übel gesellt sich ein unfassbares Digitalisierungs-Chaos in Deutschland, das sich immer wieder gerne damit rühmt, die monetär größte Industrienation Europas zu sein. Aber, man darf befürchten, das wird kein Dauerzustand. In der Kohl-, Merkel- und nun auch in der Scholz-Ära passiert nur ein Bruchteil dessen, was zwingend erforderlich wäre.


Politik und Unternehmen passen sich nicht an. Das zeigt auch das Ergebnis einer aktuellen Xing-Studie (August 2023)


Laut einer Xing Studie wurde jeder zweite Arbeitsplatz schon im ersten Jahr nach einem Wechsel gekündigt.


Die Gründe für Kündigungen im ersten Jahr bei einem neuen Arbeitgeber sind laut der Xing-Studie überwiegend „Stress mit Führungspersonal“ und „mangelnde Teamkultur“ sowie Differenzen zwischen Stellenbeschreibung und tatsächlichen Aufgabenbereichen sowie zu hohe Arbeitsbelastung. Doreen Remer, eine der führenden Coachinnen des Instituts für Organisations- und Teamentwicklung, wundert sich nicht darüber. Wechsel zum nächsten Blog-Artikel >



war 15 Jahre als Reporter für internationale Agenturen, Zeitungen und Publikums-Magazine tätig. Von 1990 bis 1998 leitete er das Ressort „Deutschland“ der seinerzeit größten aktuell produzierenden Presseagentur action press. 1998 übernahm er kommissarisch als Chefredakteur die Zusammenführung von „Pandis Media GmbH“ (älteste Bildagentur Europas) und dem Fernsehpressedienst „TelePress GmbH“. Während der Veränderungen des Print-Medien-Marktes mit Beginn des digitalen Zeitalters wechselte Andreas Vones schrittweise in die PR-Branche mit einem kurzen Abstecher als Politik-Berater eines StS einer Landesregierung in Norddeutschland. Seit 2005 bietet seine Agentur AV TEAM PRESS mit einem Kreativ-Netzwerk PR-Storytelling, klassische sowie spezielle Öffentlichkeitsarbeit und mediale Beratung in Krisensituationen an.




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